Memoria: Bilder aus dem vergessenen Krieg
Bildtafeln des Fotografen Jesús Abad Colorado im Kasinopark Aarau
Entlang der Konfliktlinien des kolumbianischen Krieges bewegt sich der Fotograf Jesús Abad Colorado. Seine Fotos, vom 20. bis 28. Juni im Kasinopark Aarau und am 2. Juli am Openair-Szenewächsel grossformatig ausgestellt, künden aber nicht nur vom Schrecken des Krieges, sondern auch von der Würde der betroffenen Menschen.
Der Krieg im Irak hielt vor kurzem die Welt in Atem. Aber im Sudan und Sri Lanka, Kongo und Kolumbien herrscht das Gemetzel seit Jahren vor. Nur manchmal nimmt die Weltöffentlichkeit von diesen Kriegen Notiz. Vom 20. bis 28.Juni 05 können sich die Passanten ein anschauliches Bild vom Ausnahmezustand des Krieges machen und die Bildtafeln des Fotografen Jesús Abad Colorado in dem Kasinopark in Aarau betrachten. Zustande gekommen ist die Ausstellung mit dem Titel "Memoria" aufgrund der Initiative verschiedener Hilfswerke wie die Swissaid, Caritas, Heks, Amnesty International sowie der Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien.

Die Fotografien Abads berichten von Menschen, die zwischen die Fronten des seit über vierzig Jahren währenden Bürgerkriegs in Kolumbien geraten sind. Es sind ausdrucksstarke Bilder von Trauernden, von Fliehenden, von waffenstarrenden Kämpfern und von Menschen, die Widerstand gegen den Krieg leisten. Der Fotograf hat sich zwischen Täter und Opfer, zwischen Armee, rechtsextreme Paramilitärs und Guerilleros begeben, um den sonst anonym bleibenden Gewaltbildern individuelle Gesichter zu geben. "Meine Fotos wollen in Erinnerung rufen, was Krieg bedeutet und wer täglich auf der Verliererseite steht: das arme Volk", umschreibt Abad sein Credo. Seine Hoffnung: Die Bilder könnten die westliche Öffentlichkeit aufrütteln und dazu beitragen, dem kolumbianischen Elend Einhalt zu gebieten.

Die Bilder setzen nicht auf den Schock, sondern auf die Bereitschaft des Publikums, sich auf die Menschen aus Kolumbien, ihre Ängste, ihr Elend und ihre Würde einzulassen. Würde - das ist ein Schlüsselbegriff für Jesús Abad und sein Schaffen. "Ich stelle mich mit meiner Kamera auf die Seite der Opfer. Ich will ihnen ihre Würde, die ihnen über die an ihnen verübte Gewalt hinaus durch diese Rechtfertigungen geraubt werden soll, zurück geben und wieder herstellen. Und ich will - so absurd dies tönen mag - die Hoffnung und die Kraft der Menschen inmitten dieses Krieges mit zum Ausdruck bringen", stellt der Fotograf heraus. Der Titel der Ausstellung, "Memoria", unterstreicht das Anliegen des Bildreporters, der mit seinen Bildern einen Kontrapunkt gegen die in Kolumbien weit verbreitete Kultur des Vergessens setzt.
Die Fotoausstellung Memoria ist ein Projekt der Programmgemeinschaft SUIPPCOL und wird von der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien zur Verfügung gestellt.